Deutschland als Entwicklungsland in der Digitalisierung

Deutschland als Entwicklungsland in der Digitalisierung

Schafft es ein privates Unternehmen, uns von der Dominanz der Cloudanbieter aus USA zu retten?

Dass die Amerikaner in Sachen Cloud-Lösungen die Nase vorn haben, dürfte den meisten Menschen bekannt sein. Allein Amazon Web Services hatte 2018 einen weltweiten Marktanteil von 47,8 %.

Für deutsche Unternehmen ist dies nicht sehr erfreulich: die Abhängigkeit ist zu groß und Kontrolle über die eigenen Daten besteht gar nicht oder nur zum Teil.

German Edge Cloud, ein Tochterunternehmen der Friedhelm Loh Group, stellte erst kürzlich ein Produkt vor, welches diese Probleme lösen soll. „Oncite“ ist bereits beim Schaltschrankhersteller Rittal im Einsatz und ein fester Bestandteil der digitalen Infrastruktur Gaia-X.

Gaia-X als neue Cloud-Lösung für Europa

Bei Gaia-X handelt es sich um ein Projekt zur Verbesserung der digitalen Infrastruktur in Europa. Es wurde durch Bundeswirtschaftsminister Altmaier initiiert, um die Abhängigkeit zu amerikanischen Unternehmen zu verringern und die europäische Wirtschaft zukunftsträchtiger zu machen.

Altmaier hat erkannt, dass es schon längst an der Zeit gewesen wäre, unserem Land eine gehörige Portion Fortschritt zu verpassen. Das ehemalige Wirtschaftswunder Deutschland steht im internationalen Vergleich in Sachen Digitalisierung nämlich mehr als nur schlecht dar. 

Glasfaser-Entwicklungsland Deutschland

Quelle: https://infographic.statista.com/normal/infografik_3553_anteil_von_glasfaseranschluessen_in_ausgewaehlten_laendern_n.jpg

Doch die Anbindung zum Internet und der Ausbau an Breitbandanschlüssen sind nicht die einzigen Baustellen, an welchen hierzulande noch gearbeitet werden muss. Auch in Sachen Cloud Lösungen sind uns USA und China um Längen voraus.

Immer mehr deutsche Unternehmen und mittlerweile sogar der öffentliche Dienst vertrauen auf Cloud-Anbieter aus den Staaten. Dies bringt ein großes Risiko mit sich, da sensible Daten an Konkurrenten aus dem Ausland preisgegeben werden und die Firmen nicht frei entscheiden können, wem sie welche Daten zur Verfügung stellen.

Die Nachfrage nach Cloud-Lösungen in Deutschland ist riesig und tendenziell eher steigend. Rund 73 % der Unternehmen nutzen mittlerweile Datenspeicher und Rechenleistung über das Internet (Stand August 2019).

Beim letzten Digitalgipfel DE.DIGITAL in Dortmund wurde das Programm Gaia-X nun erstmalig von Altmaier vorgestellt. Doch der Familienunternehmer Friedhelm Loh wollte so lange nicht warten: Die “All in One-Lösung” Oncite ist bereits Wochen vor der offiziellen Gaia-X Präsentation in Betrieb gegangen.

Oncite: Die neue Cloud-Lösung zur Vernetzung von Fabriken

Mit Oncite ermöglicht der Gründer und Inhaber der Friedhelm Loh Group bereits jetzt die effiziente und sichere Kommunikation von Fabriken mittels einer eigenen Cloud. Im Vergleich zu anderen Cloud-Anbietern werden bei Oncite Daten aus der Produktion direkt vor Ort in der Fabrik verarbeitet. Rechenzentren werden also lokal eingerichtet.

Der große Nachteil für Firmen, IT-Services eines Dienstleisters am anderen Ende der Welt zu nutzen, wird mit dieser neuen Lösung ausgemerzt. Vor Allem mittelständische Unternehmen aus der Automobilindustrie sollen davon profitieren, da eine bessere Vernetzung und Kommunikation zu anderen System (z.B. die, der Zulieferer) gewährleistet ist.

Doch bei der Automobilindustrie soll es dann auch bleiben. Oncite ist zunächst nur Automobilzulieferern vorbehalten, die aufgrund von mangelnder Datensouveränität in den letzten Jahren in Zugzwang geraten sind. Inwiefern der Rest der Industrie von dem Produkt profitieren kann, ist noch unklar.

Ist Deutschland also auf dem Vormarsch?

Die Zukunft haben wir verschlafen – das steht außer Frage. Doch Gaia-X ist ein Indiz dafür, dass Deutschland mittlerweile aus dem Tiefschlaf erwacht sein könnte. Es stellt sich die Frage, ob der Vorsprung der Konkurrenz überhaupt noch aufgeholt werden kann oder, ob zumindest eine einigermaßen passable Position im internationalen Wettbewerb erkämpft werden kann.

Die Bundesregierung hat beispielsweise geplant, drei Milliarden Euro bis einschl. 2025 in die Umsetzung künstlicher Intelligenz zu investieren. Allein in der chinesischen Hafenstadt Tianjin wird mit 16 Milliarden US-Dollar mehr als das Vierfache in KI investiert.

Auf europäischer Ebene hingegen sollen die Investitionen um 20 Milliarden Euro gesteigert werden. In China werden insgesamt 150 Milliarden in die Forschung und Umsetzung künstlicher Intelligenz investiert. Bei diesen Zahlen wird klar: Deutschland und auch Europa ist leider nicht auf dem Vormarsch.

Steigende Investitionen der Konkurrenz in neue Technologien werden zwangsläufig für einen Vorsprung sorgen. Zusätzlich werden die Early Adaptor wie China und USA von einem nie dagewesenen, exponentiellem Wachstum profitieren, welcher die Produktivität und die eigene Wirtschaftskraft auf dem Weltmarkt höchstwahrscheinlich um ein Vielfaches ansteigen lässt.

Die richtige Frage lautet dann wohl eher: Wird Deutschland als Industrienation beim Digitalisierungs-Wettkampf überhaupt noch mitmachen können?

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen